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Woher das Geld kommt: Wie sich Explorer finanzieren

Privatplatzierung, Warrants und Flow-Through-Aktien: Wie Unternehmen ohne Umsatz an Kapital kommen — und was jede Variante für bestehende Aktionäre bedeutet.

Carsten Schmider6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

Warum überhaupt ständig neues Geld nötig ist

Ein Rohstoffunternehmen vor der Produktion verkauft nichts. Es bezahlt Geologen, Bohrgeräte, Labore, Genehmigungen und Verwaltung — und alles davon aus Kapital, das es vorher eingesammelt hat. Zwischen der ersten Bohrung und einer Mine liegen im Regelfall sieben bis fünfzehn Jahre. In dieser Zeit muss ein Unternehmen sich immer wieder neu finanzieren.

Daraus folgt eine Regel, die im Segment fast alles erklärt: Ein Explorer ist nie „fertig finanziert". Die richtige Frage lautet nicht, ob eine Kapitalmassnahme kommt, sondern wann sie kommt und aus welcher Position heraus.

Die Privatplatzierung

Der Normalfall in Kanada und Australien ist die Privatplatzierung: Das Unternehmen gibt neue Aktien an einen ausgewählten Kreis von Investoren aus, ohne öffentliches Angebot. Der Ausgabekurs liegt meist unter dem Börsenkurs — der Abschlag ist der Preis dafür, dass jemand Geld in ein Unternehmen ohne Einnahmen steckt.

Für bestehende Aktionäre bedeutet das zweierlei. Erstens sinkt ihr Anteil am Unternehmen. Zweitens gibt es ab sofort Aktien, die günstiger eingekauft wurden als ihre eigenen. Ein Teil dieser neuen Aktionäre wird verkaufen, sobald die Haltefrist abgelaufen ist — in Kanada sind das üblicherweise vier Monate.

Diese Frist ist der Grund, warum Kurse nach einer Platzierung häufig vier Monate später erneut unter Druck geraten, ohne dass eine Nachricht dahintersteckt.

Was ein Warrant ist und warum er wichtig ist

Damit eine Platzierung überhaupt gezeichnet wird, hängt fast immer ein Warrant daran: das Recht, innerhalb von ein bis zwei Jahren eine weitere Aktie zu einem festgelegten Kurs zu kaufen. Üblich ist ein halber oder ein ganzer Warrant je gezeichneter Aktie.

Der Warrant hat zwei Folgen. Er verwässert ein zweites Mal, wenn er ausgeübt wird. Und er wirkt wie ein Deckel: Nähert sich der Kurs dem Ausübungspreis, kommt regelmässig Angebot in den Markt, weil Inhaber ausüben und sofort verkaufen.

Wer wissen will, was einen Kurs nach oben bremst, sollte deshalb nicht nur auf die Zahl der Aktien schauen, sondern auf die ausstehenden Warrants und ihre Ausübungspreise. Beides steht in den Quartalsberichten.

Flow-Through-Aktien: eine kanadische Besonderheit

In Kanada gibt es eine steuerliche Konstruktion, die es anderswo so nicht gibt: die Flow-Through-Aktie. Das Unternehmen reicht seine Explorationsausgaben steuerlich an den Investor weiter, der sie gegen sein eigenes Einkommen ansetzen kann. Dafür zahlt er einen Aufschlag auf den Börsenkurs.

Für den Explorer ist das die günstigste Form der Finanzierung. Für den Aussenstehenden ist wichtig zu wissen: Dieses Geld muss in Exploration fliessen, es darf nicht für Gehälter oder Verwaltung verwendet werden. Eine hohe Flow-Through-Quote ist deshalb ein gutes Zeichen — sie bindet das Kapital an die Bohrung.

Der übliche Zeitpunkt ist das vierte Quartal, wenn kanadische Anleger ihre Steuerlast des Jahres senken wollen. Das erklärt einen Teil der Saisonalität im Segment.

Woran man eine gute von einer schlechten Finanzierung unterscheidet

Drei Fragen genügen für eine erste Einschätzung.

Zu welchem Kurs? Eine Platzierung nahe am Börsenkurs zeigt, dass Investoren zugreifen wollen. Ein Abschlag von dreissig oder vierzig Prozent zeigt das Gegenteil — das Unternehmen brauchte das Geld dringender als die Investoren die Aktien.

Wie oft? Zwei Kapitalmassnahmen im Jahr sind normal. Vier sind ein Hinweis darauf, dass jeweils nur die nächsten Monate finanziert werden. Wer laufend Geld einsammelt, verhandelt selten aus einer guten Position.

Wofür? Der Verwendungszweck steht in der Meldung. Fliesst das Geld in Bohrungen, wächst der Wert des Projekts. Fliesst es überwiegend in „general working capital", finanziert der Aktionär den laufenden Betrieb, nicht den Fortschritt.

Häufige Fragen

Ist Verwässerung immer schlecht? Nein. Wenn mit dem Geld ein Projekt vorangebracht wird, das mehr wert ist als der ausgegebene Anteil, gewinnen auch die alten Aktionäre. Schlecht ist Verwässerung, die nur den Betrieb am Leben hält.

Kann ich als Privatanleger mitzeichnen? In der Regel nicht. Privatplatzierungen richten sich an institutionelle und akkreditierte Investoren. Als Privatanleger kauft man über die Börse — zum höheren Kurs und ohne Warrant.

Woran erkenne ich, wie lange das Geld reicht? Die Kassenposition steht im Quartalsbericht, der Mittelabfluss ebenfalls. Kasse geteilt durch den Quartalsverbrauch ergibt die Zahl der verbleibenden Quartale. Unter zwei ist eine Kapitalmassnahme nur noch eine Frage von Wochen.

Carsten Schmider

Analyst für Small und Micro Caps im deutschsprachigen Raum. Seit 2003 mit eigenem Researchhaus, mit Schwerpunkt auf den Spezialsegmenten OTCBB, TSX-V und ASX.

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